Am 26. September gingen bundesweit in 15 Städten tausende Menschen unter dem Motto „Hart verdient: Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ auf die Straße. Auch in Essen war die Beteiligung groß. Gemeinsam wurde ein deutliches Zeichen gesetzt: Gute Arbeit, soziale Sicherheit und eine verlässliche Rente sind hart verdient – und nicht verhandelbar.
In ihrer Rede in Essen machte die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi deutlich, dass Beschäftigte nicht für die wirtschaftliche Lage verantwortlich gemacht werden dürfen. Gleichzeitig wandte sie sich gegen Forderungen, bei Arbeitszeit, Gesundheit, Pflege und Rente Abstriche zu machen.
„Wir lassen uns nicht einfach nehmen, was wir in vielen Jahren an sozialen Standards aufgebaut haben. Das alles ist hart verdient!“
Gute Wirtschaft braucht gute Arbeit
Fahimi wies den Vorwurf zurück, Beschäftigte würden zu wenig arbeiten und mit ihren Ansprüchen die wirtschaftliche Entwicklung bremsen. Wer so argumentiere, lenke von den tatsächlichen Herausforderungen ab. Eine starke Wirtschaft entstehe nicht dadurch, dass soziale Sicherheit abgebaut und die Belastung für Beschäftigte weiter erhöht werde. Notwendig seien vielmehr Investitionen, Innovationen, gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne, die auch die Kaufkraft sichern.
Besonders deutlich wurde Fahimi beim Thema Arbeitszeit. Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tages erteilte sie eine klare Absage: „Wer das Arbeitszeitgesetz schleift, macht Arbeit nicht produktiver. Er macht sie ungesünder!“
Schon heute seien viele Beschäftigte hohem Leistungsdruck, Schicht- und Wochenendarbeit sowie permanenter Erreichbarkeit ausgesetzt. Deshalb müsse der Schutz durch das Arbeitszeitgesetz erhalten bleiben.
Soziale Sicherheit ist hart erarbeitet
Auch bei den Sozialversicherungen dürfe nicht der Eindruck entstehen, es handele sich um ein Geschenk des Staates. Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung werden durch die Beiträge der Beschäftigten und Arbeitgeber finanziert und sichern Menschen ab, wenn sie krank werden, Pflege benötigen oder nach einem langen Arbeitsleben in Rente gehen. Gerade die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren verteidigte Fahimi ausdrücklich. Menschen, die über Jahrzehnte Beiträge gezahlt haben, müssten darauf vertrauen können, diese Leistung auch zu erhalten.
Für uns ist klar:
- Soziale Sicherheit darf nicht zum Sparprogramm werden
- Gesundheit und Pflege brauchen eine solidarische Finanzierung
- Wer 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, muss weiterhin abschlagsfrei in Rente gehen können
- Der wirtschaftliche Wandel muss sozialverträglich gestaltet werden
Gesundheit darf nicht auf der Strecke bleiben
Wenn über längere Arbeitszeiten und mehr Flexibilität gesprochen wird, darf nicht vergessen werden, was das für die Menschen bedeutet, die diese Arbeit täglich leisten. Mehr Arbeitszeit bedeutet nicht automatisch mehr Produktivität. Wer dauerhaft unter hohem Druck arbeitet, Schicht- und Wochenendarbeit leistet oder ständig erreichbar sein muss, braucht Schutz und verlässliche Regeln.
Gute Arbeit muss auch gesundes Arbeiten ermöglichen.
Das gilt ebenso für die Pflege und das Gesundheitswesen. Wir brauchen eine wohnortnahe Versorgung, gute Arbeitsbedingungen und eine Bezahlung, die sich an Tarifverträgen orientiert.
Zukunft braucht Investitionen
Gleichzeitig steht unsere Industrie vor großen Herausforderungen. Für die notwendige wirtschaftliche Erneuerung braucht es jetzt Investitionen, eine moderne Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Beschäftigten sind bereit, den Wandel mitzugestalten. Aber dieser Wandel darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmerrechte abgebaut, soziale Sicherheit gekürzt und die Lebensleistung der Menschen entwertet wird.
Wir lassen uns unsere Errungenschaften nicht nehmen
Der Aktionstag in Essen hat gezeigt, wie viele Menschen sich für gute Arbeit, soziale Sicherheit und eine verlässliche Zukunft einsetzen. Für die Gewerkschaften bleibt klar: Was Beschäftigte über Jahrzehnte erarbeitet und erkämpft haben, darf nicht leichtfertig zur Disposition gestellt werden.

























