Offener Brief an den Vorstand der thyssenkrupp AG

Sehr geehrte Frau Merz,

sehr geehrte Herren Keysberg und Burkhard,

gestern wurde öffentlich, dass Sie für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Sondervergütung von insgesamt 1 Million Euro erhalten sollen. In der Presse war zu lesen, dass diese Vergütung für den erfolgreichen Verkauf des Elevator-Bereichs und das Corona-Krisenmanagement ausgezahlt wird. Auch die Belegschaft hat außergewöhnliche Leistungen in diesen schwierigen Zeiten erbracht.

Mit großem Entsetzen und wütendem Unverständnis lehnen wir diese Sondervergütung ab.

In einem Geschäftsjahr, in dem die thyssenkrupp AG Milliardenverluste schreiben musste, zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit waren und nach wie vor sind und überall Sparmaßnahmen ergriffen werden, sind die Erfolgs-Boni mit keinem Argument zu rechtfertigen.

Im ganzen Konzern wurden Stellen abgebaut, aus den vereinbarten 6.000 Stellen sollen nach dem Willen des Vorstandes nun 11.000 Stellen werden. Harte Restrukturierungsprogramme laufen in vielen Bereichen, wir im Stahl bauen 10% unserer Belegschaft ab.

Kurz gesagt: im gesamten Konzern gab es im letzten Geschäftsjahr nur schlechte Botschaften, schlechte Stimmung und große Zukunftssorgen. Und wie verhält sich der Vorstand? Lässt sich 1 Million Euro als Sondervergütung auszahlen.

Haben Sie jedes Feingefühl verloren? Die über 27.000 Beschäftigten der thyssenkrupp Steel Europe AG tragen durch Verzicht dazu bei, dass gespart wird. 16.000 Tarifbeschäftigte im Stahl haben auf ihr Urlaubsgeld in Höhe von 1000€ verzichtet. Anders gesagt: Umgerechnet 1000 Kolleginnen und Kollegen mussten auf Urlaubsgeld verzichten, um dem Vorstand der AG 1 Million Euro Erfolgs-Boni zu zahlen. Die außertariflich Angestellten erleben zum wiederholten Male eine Nullrunde. Tausende Kolleginnen und Kollegen sind über das gesamte Jahr immer wieder in Kurzarbeit, der Nettoverlust von durchschnittlich 20% tut diesen Menschen weh.

Mit diesem offenen Brief wollen wir deswegen unseren großen Unmut zum Ausdruck bringen.

Zu Beginn der Krise hat der Vorstand einen freiwilligen Gehaltsverzicht angekündigt. Auch die leitenden Angestellten haben sich beteiligt. Diese Maßnahme war ein gutes Zeichen der Solidarität. Mit dem eingesparten Geld wurden in Duisburg und anderswo soziale Projekte gefördert und unterstützt. Und jetzt holen Sie sich das Geld durch die Sondervergütung wieder und damit machen Sie sich unglaubwürdig.

Unsere Kritik wird Sie hoffentlich zum Nachdenken anregen.

Wir fordern Sie auf, die Sondervergütung nicht anzunehmen, sondern erneut zu spenden, beispielweise in einen Topf für soziale Härtefälle – diese wird es bestimmt unter den über 100.000 Kolleginnen und Kollegen der thyssenkrupp AG geben. Wir bei der tkSE AG haben den Verein Hüttenhelden gegründet, der soziale Projekte unterstützt. Sie sehen, es gibt gute und sinnvolle Ideen, um die beschädigte Außendarstellung von thyssenkrupp wieder zu reparieren.

Auch wenn Ihnen die Sondervergütung formal zusteht, fordern wir Sie zum freiwilligen Verzicht auf. Der Verzicht wäre ein solidarisches Signal, dass wir in schwierigen Zeiten zusammenstehen. Zeigen Sie Größe in der größten Krise des Unternehmens und verzichten Sie auf die Sondervergütung. Es wäre das richtige Signal.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Wittig                             Andrea Randerath                              Holger Ziemann

Offener Brief an den Ministerpräsidenten Armin Laschet


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
die thyssenkrupp Steel Europe AG braucht staatliche und NRW-Landeshilfen.


Wir fordern für die tkSE AG eine Landesbeteiligung zum Erhalt unserer Arbeitsplätze!
Es ist widersinnig, wenn Sie sagen, dass die Stahlunternehmen bei der Transformation zum grünen Stahl von Bund und Land finanziell unterstützt werden müssen. Aber jetzt aktuell, wo es ums blanke Überleben von tkSE geht, sind Sie nicht bereit, mit Landesmitteln das Überleben von tkSE zu unterstützen. Wenn wir von grünem Stahl reden, geht das nur, wenn wir morgen auch noch Stahl produzieren können. Stahl ist gesellschaftlich notwendig oder wie Sie, Herr Laschet, gesagt haben, „Stahl ist systemrelevant“, „Stahl ist die DNA von NRW“.


Wenn Sie das begriffen haben, wieso verweigern Sie dann die Unterstützung? Die Bundesländer Niedersachen (Salzgitter) und das Saarland (Saarstahl) sind mit Landesbeteiligung bei ihren Stahlherstellern beteiligt. Wieso geht NRW diesen Schritt bei thyssenkrupp nicht?


Es geht nicht um ein Geschenk für die Stahlindustrie, sondern um gesellschaftliche Investitionen in Produktion und Arbeitsplatzsicherung für die Zukunft in NRW und der ganzen Republik. Jetzt nicht zu helfen würde heißen, später viel mehr an Arbeitslosengeldern zahlen zu müssen, als jetzt die Finanzhilfe ausmachen würde. Von den sozialen Unruhen und den fehlenden Geldern in den Sozialkassen ganz zu schweigen. Wer Kanzler werden will, muss erst mal seine Hausaufgaben als Ministerpräsident in NRW machen.


Herr Laschet, wenn Sie tkSE unterstützen, ist das eine Investition in die Wirtschaft, um in NRW Produktion und Arbeitsplätze zu sichern.
Stahl ist der Grundstoff für die industriellen Wertschöpfungsketten, aus denen reale Werte entstehen und die den Wohlstand unserer Gesellschaft bilden.
Klimaschutz ist ohne Stahl nicht möglich und erst recht nicht ohne grünen Stahl!


Sie sind für die Menschen in NRW verantwortlich, dafür sind sie gewählt worden. Bringen sie NRW wirtschaftlich wieder nach vorne, Herr Laschet. Wir brauchen von Ihnen keine Lippenbekenntnisse wie auf der Großdemonstration am 16.10.2020 in Düsseldorf. Wir brauchen Investitionen – jetzt und sofort, damit auch in Zukunft in Duisburg, am größten Stahlstandort Europas, Stahl erzeugt werden kann!


Es geht um 27.000 Arbeitsplätze direkt bei tkSE und um 4 Millionen Arbeitsplätze in den stahlintensiven weiterverarbeitenden Branchen, wovon viele im und um das Ruhrgebiet angesiedelt sind (ca. 150.000).


Staatliche und Landesunterstützungen müssen mit Bedingungen an tkSE verknüpft werden, damit das Geld auch so eingesetzt wird, dass wir wieder zukunftsfähig werden.


Von einer Fusion mit anderen europäischen und nicht europäischen Stahlerzeugern halten wir gar nichts, weil dadurch auch keine Zukunftsperspektive für uns entsteht.


thyssenkrupp Steel Europe braucht finanzielle Hilfen und ein Investitionskonzept um zukunftsfähig zu werden.


Als Ministerpräsident sind sie Mitglied der Krupp-Stiftung und haben aus unserer Sicht eine besondere Verantwortung für dieses Unternehmen und die Menschen, die hier arbeiten.


Setzen Sie sich für uns ein und tragen Sie mit finanzieller Unterstützung zum Überleben dieses Traditionsunternehmens bei, damit wir auch morgen noch Wirtschaft und Arbeitsplätze in NRW haben.


Die Belegschaft von tkSE erwartet eine Antwort von Ihnen.
Handeln Sie!!!

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Wittig                             Andrea Randerath                              Holger Ziemann


Impressionen von der Demo in Düsseldorf am 16.10.2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir werden wärend der Demo/Kundgebung regelmäßig Filme oder Fotos an dieser Stelle veröffentlichen.